Kartoffelkrankheiten & Schädlinge

Die wichtigsten Probleme im Kartoffelanbau erkennen, vorbeugen und biologisch behandeln.

Kartoffeln sind grundsätzlich robuste Pflanzen. Aber wie alle Nutzpflanzen können auch sie von Krankheiten und Schädlingen befallen werden. Die gute Nachricht: Die meisten Probleme lassen sich durch Vorbeugung vermeiden. Hier findest du die wichtigsten Kartoffelkrankheiten und Schädlinge – mit Symptomen, Ursachen und konkreten Gegenmaßnahmen.

Pilzkrankheiten

Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans)

Die gefährlichste Kartoffelkrankheit weltweit. Derselbe Erreger, der die Irische Hungersnot von 1845 auslöste, ist auch heute noch die größte Bedrohung im Kartoffelanbau.

SymptomeBraune, wässrige Flecken auf den Blättern, beginnend an den Blatträndern. Weißlicher Pilzrasen auf der Blattunterseite bei Feuchtigkeit. Befallene Blätter sterben ab. Knollen zeigen braune, leicht eingesunkene Flecken; das Fleisch darunter ist rostbraun verfärbt.
UrsacheFeucht-warmes Wetter (15–20 °C, hohe Luftfeuchtigkeit). Verbreitung durch Wind und Regen. Kann sich innerhalb weniger Tage über das ganze Beet ausbreiten.
VorbeugungWeiter Reihenabstand (gute Durchlüftung). Nicht von oben gießen. Resistente Sorten wählen (z. B. Nicola, Gala). Fruchtfolge einhalten (mind. 3 Jahre). Befallenes Kraut sofort entfernen.
BehandlungBefallene Pflanzenteile sofort abschneiden und entsorgen (nicht kompostieren). Bei starkem Befall: Kraut komplett abschneiden, 2–3 Wochen warten, dann ernten (die Knollen können noch gesund sein). Biologisch: Kupferpräparate als Vorbeugung.

Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)

SymptomeRaue, korkartige, braune Flecken auf der Kartoffelschale. Die Kartoffel sieht "schorfig" aus. Das Fleisch darunter ist nicht betroffen.
UrsacheBakterien im Boden, begünstigt durch trockene, alkalische Böden (pH über 7). Tritt besonders in trockenen Sommern auf.
VorbeugungBoden leicht sauer halten (pH 5,5–6). Gleichmäßig gießen, besonders während der Knollenbildung. Nicht kalken vor dem Kartoffelanbau. Kompost statt Kalk verwenden.
BehandlungSchorf ist rein optisch – die Kartoffeln sind trotzdem essbar (befallene Stellen schälen). Keine direkte Behandlung möglich. Fruchtfolge einhalten.
💡 Gut zu wissen: Kartoffelschorf sieht unappetitlich aus, ist aber völlig harmlos. Die Kartoffeln sind nach dem Schälen ganz normal verwendbar. Im Supermarkt werden schorfige Kartoffeln aussortiert – geschmacklich sind sie identisch.

Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani)

SymptomeBraune Flecken mit konzentrischen Ringen (Zielscheiben-Muster) auf älteren Blättern. Befallene Blätter vergilben und sterben ab.
UrsachePilz, der bei warmem, trockenem Wetter mit Tauperioden auftritt. Befällt vor allem geschwächte Pflanzen.
VorbeugungGesundes Pflanzgut verwenden. Ausreichend düngen (Kaliummangel fördert Befall). Fruchtfolge. Pflanzenstärkungsmittel (Schachtelhalmbrühe).
BehandlungBefallene Blätter entfernen. Biologisch: Kupferpräparate. Im Hausgarten meist kein großes Problem.

Schädlinge

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

Der bekannteste Kartoffelschädling. Der auffällig gelb-schwarz gestreifte Käfer und seine roten Larven können ein Kartoffelbeet innerhalb weniger Tage kahl fressen.

ErkennungGelb-schwarz gestreifte Käfer (ca. 1 cm) und orangerote Larven auf den Blättern. Gelbe Eier auf der Blattunterseite in Gruppen. Fraßspuren: Blätter werden vom Rand her aufgefressen.
UrsacheEingeschleppter Schädling aus Nordamerika. Die Käfer überwintern im Boden und erscheinen ab Mai.
VorbeugungFruchtfolge (mind. 3 Jahre). Beet im Frühjahr gut umgraben (überwinternde Käfer freilegen). Mischkultur mit Meerrettich, Ringelblumen oder Kümmel (Abschreckung).
BehandlungAbsammeln ist bei kleinen Beeten die effektivste Methode – Käfer, Larven und Eigelege von Hand einsammeln und vernichten. Bei starkem Befall: Neem-Präparate (biologisch). Bacillus thuringiensis (biologisches Bakterienpräparat). Frühmorgens sammeln – die Käfer sind dann träge.

Drahtwürmer (Agriotes-Larven)

ErkennungDünne, gelblich-braune, harte Larven (2–3 cm) im Boden. Runde Fraßlöcher in den Knollen (2–3 mm Durchmesser). Die Gänge gehen tief in die Kartoffel hinein.
UrsacheLarven des Schnellkäfers. Leben 3–5 Jahre im Boden. Besonders häufig nach Grasumbruch (umgewandelte Wiese).
VorbeugungBoden im Herbst umgraben (Larven freilegen → Vögel fressen sie). Nicht direkt nach Grünlandumbruch Kartoffeln pflanzen. Köderfallen: Kartoffelstücke auf Stöckchen in den Boden stecken, regelmäßig kontrollieren und Larven einsammeln.
BehandlungDirekte Bekämpfung im Biogarten schwierig. Köderfallen sind am effektivsten. Befallene Kartoffeln sind nach großzügigem Ausschneiden der Fraßgänge noch essbar.

Blattläuse

ErkennungKleine grüne oder schwarze Insekten auf der Blattunterseite. Klebrige Blätter (Honigtau). Gekräuselte, eingerollte Blätter.
UrsacheBlattläuse saugen Pflanzensaft. Problem: Sie übertragen Pflanzenviren (wichtig für Pflanzgut).
VorbeugungNützlinge fördern (Marienkäfer, Florfliegen). Nicht zu stark stickstoffhaltig düngen. Mischkultur mit Lavendel oder Bohnenkraut.
BehandlungAbspritzen mit scharfem Wasserstrahl. Schmierseifenlösung (1 EL auf 1 L Wasser). Neem-Präparate. Bei Speisekartoffeln meist kein großes Problem – schädlich vor allem für Pflanzgut.

Physiologische Probleme (keine Krankheit)

Problem Ursache Vorbeugung
Grüne Knollen Lichteinwirkung → Solanin-Bildung Ausreichend anhäufeln, dunkel lagern
Hohlherzigkeit Zu schnelles Wachstum (Regen nach Trockenheit) Gleichmäßig gießen, nicht zu stark düngen
Eisenfleckigkeit Rostbraune Flecken im Fleisch, Nährstoffmangel Ausgewogene Düngung, gleichmäßige Bewässerung
Rissigkeit Ungleichmäßige Wasserversorgung Gleichmäßig gießen, Mulchen
Zwiewuchs Wachstumsstopp und Neustart (Hitze/Kälte) Nicht zu vermeiden, rein optisches Problem

Die wichtigste Regel: Fruchtfolge

💡 Goldene Regel: Kartoffeln nie öfter als alle 3–4 Jahre auf der gleichen Stelle anbauen. Die meisten Krankheiten und Schädlinge überdauern im Boden. Durch Fruchtfolge (Kartoffeln → Bohnen/Erbsen → Kohl → Getreide/anderes → Kartoffeln) unterbrichst du den Kreislauf und reduzierst Probleme erheblich.

Vorbeugung auf einen Blick

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